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Wasserstoff soll billiger werden

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Das BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung publiziert auf seiner Webseite die zitierten Inhalte:

“Wasserstoff ist das Erdöl von morgen”

Brennstoffzelle, synthetische Kraftstoffe, neue Antriebe: Beim Kampf gegen den Klimawandel spielen Forschung und Innovationen eine entscheidende Rolle, betont Bundesforschungsministerin Anja Karliczek . “Erst Forschung macht ambitionierten Klimaschutz möglich!”

“Grüner Wasserstoff, also Wasserstoff, der durch Sonne und Wind erzeugt wird, ist der Energieträger der Zukunft. Grüner Wasserstoff ist auch der Schlüsselbaustein, um unsere Klimaziele zu erreichen. Als Transmissionsriemen bringt er Erneuerbare Energien in alle Lebensbereiche. Stahl- und Chemieindustrie, Schiffs- und Flugverkehr sowie der Wärmesektor erhalten durch ihn eine neue Möglichkeit für Klimaneutralität.”

Karliczek macht Druck beim Wasserstoff

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Bundesministerin Anja Karliczek

Gegenwind für Altmaier-Strategie

Wirtschaftsminister Altmaier lässt keinen Zweifel daran, dass Wasserstoff der Energieträger der Zukunft ist. Doch nun bekommt er Gegenwind von einer eigentlich ebenso begeisterten Kollegin.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek fordert für die geplante Wasserstoffstrategie der Bundesregierung eine umfassende Lösung. “Wir können uns keine Halbherzigkeit leisten”, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. In der Bundesregierung wird angestrebt, dass die Strategie am kommenden Mittwoch das Bundeskabinett passiert. Allerdings gibt es noch unterschiedliche Positionen.

Im Entwurf der Strategie von Wirtschaftsminister Peter Altmaier heißt es, für eine zügige Verbreitung von Wasserstofftechnologien müsse auch “blauer” Wasserstoff eine Rolle spielen. Damit ist Wasserstoff gemeint, der mit fossilem Erdgas gewonnen wird. Das dabei entstehende Kohlendioxid (CO2) soll abgeschieden und deponiert werden – von dieser Technologie halten die meisten Klima- und Umweltschützer aber wenig.

“Grüner” Wasserstoff stammt aus erneuerbaren Energien und wird von Umweltministerin Svenja Schulze von der SPD befürwortet. Nun sagte auch Karliczek, höchste Zeit sei es, in großem Stil auf “grünen” Wasserstoff zu setzen. Karliczek betonte, die hohen Anteile von fossiler und Kernenergie müssten bei einem Ausstieg aus der Atomenergie und Kohleverstromung nun schnell ersetzt werden. “Wir müssen jetzt energisch und nicht halbherzig in den grünen Wasserstoff einsteigen”, so die Ministerin.

Umwelthilfe will mehr Windkraft in der Nordsee

Deutschland müsse hier weltweit zum Vorreiter werden. “Unser Anspruch ist eine sichere Energieversorgung zu einem bezahlbaren Preis”, sagte Karliczek. “Ich stehe mit ganzer Kraft für eine grüne Energieversorgung ein.” Konkret forderte die Forschungsministerin “ambitionierte Ziele” – also die Formulierung von Mengenzielen in der Strategie. “Und wir brauchen Leute am Ruder, die jetzt mit Durchschlagskraft den grünen Wasserstoff, unsere Energieversorgung der Zukunft, auf allen Ebenen vorantreiben”, forderte Karliczek. “Deshalb kämpfe ich für eine grüne Wasserstoff-Taskforce, die die Beschlüsse des Wasserstoffrates mit ganzer Kraft umsetzt.”

Die Deutsche Umwelthilfe sprach sich derweil dafür aus, eine Pilotanlage zu errichten, mit der die Erzeugung von Wasserstoff durch Offshore-Windanlagen erprobt wird. Der Verein sprach sich für einen schnellen und naturverträglichen Ausbau der Windenergie in der Nordsee aus. “Offshore-Windparks werden künftig einen erheblichen Anteil zur Energiewende beitragen müssen”, heißt es in einem neuen Positionspapier. Daher brauche es nun rasch eine länderübergreifende Strategie der Nordsee-Anrainer.

Gipfel im Kanzleramt am 12. März

In der Ostsee sind aus Sicht der Umwelthilfe weitere Windparks wegen des Arten- und Meeresschutzes nicht mehr möglich. Deshalb müsse der naturverträgliche Ausbau in der Nordsee nun “oberste Priorität” haben, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Mit der geforderten Offshore-Strategie müssten die Staaten bereits bis 2050 mögliche Anbindungsleitungen planen, heißt es in dem Papier weiter.

Das deutsche Ausbauziel sollte im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf 20 Gigawatt bis 2030 und 50 Gigawatt bis 2050 angehoben werden. Zugleich müssten aber auch Maßnahmen zur Entlastung von Arten und Habitaten verbindlich festgelegt werden. Am 12. März wollen sich Vertreter von Bund und Ländern im Berliner Kanzleramt treffen, um den Ausbau von Ökostrom und die EEG-Novelle zu beraten.

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Nationale Wasserstoffstrategie

Grüner Wasserstoff ist das Erdöl von morgen. Der flexible Energieträger ist unverzichtbar für die Energiewende und eröffnet uns neue Märkte. Mit der Nationale Wasserstoffstrategie machen wir Deutschland zu einem globalen Vorreiter.

Ob in der Industrie, im Verkehr oder im Wärmesektor: Wir brauchen grüne Energie in allen Lebensbereichen, um unsere Klimaziele zu erreichen. Dafür müssen wir die Erneuerbaren auch in die Anwendungsfelder bringen können, die sich schwer elektrifizieren lassen. Hinzu kommt: Deutschland wird – wie anderen Staaten auch – seinen Energiebedarf nicht nachhaltig decken können. Energieimporte werden auch in Zukunft notwendig sein. Grüner Wasserstoff ist dafür eine vielversprechende Lösung. Sie bietet enorme Chancen für den Standort Deutschland. Grüner Wasserstoff wird – etwa durch Elektrolyse – klimaneutral aus erneuerbarem Strom erzeugt. Die Energie von Sonne und Wind können wir so mit einem vielseitig einsetzbaren Energieträger speichern, transportieren und je nach Bedarf einsetzen – etwa in Brennstoffzellen zur Erzeugung von Strom und Wärme oder in Industrieprozessen.

Grüner Wasserstoff ist damit der dringend benötigte Baustein für die sogenannte Sektorenkopplung und den Aufbau eines nachhaltigen, globalen Energiesystems auf Grundlage der Erneuerbaren. Gemäß dem Motto „Shipping the sunshine“ kann Grüner Wasserstoff in Regionen mit viel Wind (Windkraft-Anlagen), Sonne (Photovoltaik) und Wasser produziert und von dort aus exportiert werden, um den Energiebedarf der Welt zu decken. Grüner Wasserstoff hat das Potential, das klimafreundliche Erdöl von morgen zu werden.

Wasserstoff-Partnerschaften in Europa und der Welt

Mithilfe der Forschung werden wir neue strategische Wasserstoff-Partnerschaften in Europa und der Welt aufbauen. Mit einem „Potenzialatlas Grüner Wasserstoff“ wird das Forschungsministerium gemeinsam mit afrikanischen Partnern die Chancen von grünem Wasserstoff für eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents analysieren. Damit werden neue Exportchancen und Absatzmärkte für innovative Technologieunternehmen aus Deutschland geschaffen.

Mehr als 300 Millionen Euro extra für grünen Wasserstoff

Grüner Wasserstoff ist seit Jahren ein Schwerpunktthema der Energieforschungsförderung des Bundesforschungsministeriums. Im Bereich der Wasserstofftechnologie fördert das BMBF technologieoffen hochinnovative Ansätze zu Produktion, Transport und Nutzung. Im Fokus stehen Elektrolyse, Methanpyrolyse, künstliche Photosynthese sowie Brennstoffzellen. Dafür investiert das BMBF bis 2021 bereits 180 Millionen Euro. Diese Innovationsförderung soll nun noch stärker mit der Klima-, Energie- und Wirtschaftspolitik verzahnt werden. Im Rahmen der Nationale Wasserstoffstrategie wird das BMBF die Entwicklung neuer klimafreundlicher Wasserstofftechnologien weiter vorantreiben. Mehr als 300 Millionen Euro stehen dafür bis 2023 allein aus dem Klimafonds bereit.

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Eine kleine Wasserstoff-Farbenlehre

Grün, blau, grau oder türkis: Je seinem nach Ursprung trägt Wasserstoff unterschiedliche Namen. Obwohl Wasserstoff stets farbloses Gas ist, geben Farben in der Bezeichnung Auskunft über die Art der Produktion.

“Die Zukunft gehört allein dem grünen Wasserstoff”, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt. “Bei der Nationalen Wasserstoffstrategie sollten wir grün, global und groß denken”, so ihr Appell. Doch was ist eigentlich “grüner” Wasserstoff – und welche Arten gibt es noch? Ein Überblick:

Grüner Wasserstoff

Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt, wobei für die Elektrolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt. Unabhängig von der gewählten Elektrolysetechnologie erfolgt die Produktion von Wasserstoff CO2-frei, da der eingesetzte Strom zu 100% aus erneuerbaren Quellen stammt und damit CO2-frei ist.

Grauer Wasserstoff

Grauer Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen. In der Regel wird bei der Herstellung Erdgas unter Hitze in Wasserstoff und CO2 umgewandelt (Dampfreformierung). Das CO2 wird anschließend ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben und verstärkt so den globalen Treibhauseffekt: Bei der Produktion einer Tonne Wasserstoff entstehen rund 10 Tonnen CO2.

Blauer Wasserstoff

Blauer Wasserstoff ist grauer Wasserstoff, dessen CO2 bei der Entstehung jedoch abgeschieden und gespeichert wird (engl. Carbon Capture and Storage, CCS). Das bei der Wasserstoffproduktion erzeugte CO2 gelangt so nicht in die Atmosphäre und die Wasserstoffproduktion kann bilanziell als CO2-neutral betrachtet werden.

Türkiser Wasserstoff

Türkiser Wasserstoff ist Wasserstoff, der über die thermische Spaltung von Methan (Methanpyrolyse) hergestellt wurde. Anstelle von CO2 entsteht dabei fester Kohlenstoff. Voraussetzungen für die CO2-Neutralität des Verfahrens sind die Wärmeversorgung des Hochtemperaturreaktors aus erneuerbaren Energiequellen, sowie die dauerhafte Bindung des Kohlenstoffs.

Wasserstoff-Partnerschaft mit Afrika geplant

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Bundesforschungsministerin und nigrischer Amtskollege verständigen sich über Aufbau einer Wasserstoff-Partnerschaft mit Westafrika

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und ihr nigrischer Amtskollege und Vorsitzender des Ministerrats des Kompetenzzentrums für Klimawandel und angepasste Landnutzung „WASCAL“, Yahouza Sadissou, haben sich in Berlin auf ein Maßnahmenpaket zum Ausbau der strategischen Partnerschaft mit Westafrika verständigt. Dazu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek:

„Afrika ist ein Chancen-Kontinent. Grüner Wasserstoff als das Öl von morgen zählt zu den ganz großen Chancen. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir heute den Grundstein für eine Wasserstoff-Partnerschaft gelegt haben. Sie birgt große Chancen für alle Beteiligten: für Westafrika, für Europa und für das Innovationsland Deutschland. Der Anfang ist gemacht: Wir haben einen Potentialatlas zu Grünem Wasserstoff in Westafrika auf den Weg gebracht. In den 15 ECOWAS-Staaten haben Expertenteams ihre Arbeit aufgenommen. Schon Ende des Jahres wollen wir den Potentialatlas veröffentlichen.”

Die Zusammenarbeit mit Afrika beim Megathema Grüner Wasserstoff wird Deutschland zu einem Schwerpunkt der EU-Ratspräsidentschaft machen. Damit tragen wir auch zum Erfolg des europäischen Green Deal bei.

Afrikanischer Wasserstoff ist der Stoff der Zukunft

“Mit grünem Wasserstoff könnten die geografischen Vorteile bei den erneuerbaren Energien zum Entwicklungsmotor für die dortigen Gesellschaften werden”, schreibt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in einem Gastbeitrag für das “Handelsblatt”.

Die Welt braucht grüne Energie. Afrikakann sie bereitstellen. Mit einem Potenzialatlas grüner Wasserstoff analysieren wir gemeinsam mit afrikanischen Partnern die Chancen von grünem Wasserstoff für eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents. Dabei sollen sowohl Bedarfe vor Ort als auch Möglichkeiten für den Export grünen Wasserstoffs nach Deutschland betrachtet werden. Er ist ein Kernbestandteil der Nationalen Strategie Wasserstoff der Bundesregierung, die noch 2019 vom Kabinett verabschiedet werden soll.

Grüner Wasserstoff, also Wasserstoff, der durch Sonne und Wind erzeugt wird, ist der Energieträger der Zukunft. Er ist der Schlüsselbaustein für eine globale Energiewende. Als Transmissionsriemen bringt er erneuerbare Energien in alle Lebensbereiche. Stahl- und Chemieindustrie, Schiffs- und Flugverkehr sowie der Wärmesektor erhalten durch ihn eine neue Möglichkeit zur Erreichung von Klimaneutralität.

Allein der Bedarf der Industrie an Wasserstoff in Europa soll sich bis 2030 voraussichtlich auf 665 Terawattstunden (TWh) pro Jahr verdoppeln. Auf Deutschland entfallen dabei circa 78 TWh. Im Verkehrssektor kann Wasserstoff bis 2050 zum Kraftstoff Nummer eins werden, bis zu 70 Prozent der Autos und der leichten Nutzfahrzeuge könnten damit fahren.

Es ist unbestritten, dass Deutschland grüne Energie in großen Mengen importieren muss. Nur so sind die Klimaziele bis 2030 und darüber hinaus zu erreichen. Grüner Wasserstoff ist dafür eine zentrale Option. Wind und Sonne hierzulande reichen nicht aus, um den Industriestandort, aber auch unsere hochmobile Gesellschaft mit grüner Energie zu versorgen. Anderswo sind Wind, Sonne und Wasser hingegen im Überfluss verfügbar. Staaten wie Australien, Chile, Argentinien oder Saudi-Arabien sehen den Markt. Sie arbeiten schon an konkreten Geschäftsmodellen. Grüner Wasserstoff spielt hier eine Schlüsselrolle. Er besitzt eine einzigartige klima-, energie- sowie innovations- und industriepolitische Bedeutung.

Afrika ist prädestiniert, den ersten Schritt in die Wasserstoffzukunft zu gehen. Mit grünem Wasserstoff könnten die geografischen Vorteile bei den erneuerbaren Energien zum Entwicklungsmotor für die dortigen Gesellschaften werden. Durch den Ersatz fossiler Energieträger kann zugleich ein großer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

Mit Wasserstoff-Partnerschaften zur Produktion und dem Transport eröffnen wir den Staaten Afrikas den Weg in globale Energiemärkte und zu mehr Wohlstand. Wir schaffen so nicht nur die Basis für deutsche Technologieexporte, sondern gewährleisten auch eine klimafreundliche Energieversorgung. Noch bietet sich die historische Chance, einen vollkommen neuen Zukunftsmarkt für die heimische Anlagen- und Maschinenbauindustrie sowie für Technologieentwickler zu erschließen. Aber die Zeit drängt. Der Wettlauf um solche neuen geostrategischen Partnerschaften ist schon in vollem Gange. Staaten wie China gehen bereits seit Langem strategisch auf dem Kontinent vor – das gilt auch für grünen Wasserstoff.

Deutsche Unternehmen sind ebenfalls aufgrund unserer Forschungsförderung derzeit Weltmarktführer. Wir müssen nun alles daransetzen, dass sie diesen Vorteil bei Wasserstofftechnologien nutzen und als „First Mover“ in Afrika agieren. Mit einem Potenzialatlas zu grünem Wasserstoff in Afrika werden wir daher schnell Klarheit schaffen, wo grüner Wasserstoff – gerade aus politisch stabilen Staaten wie z. B. den Mitgliedern des G20-Compact with Africa – eine tragende Rolle spielen kann. Basierend darauf werden wir Demonstrationsvorhaben in Afrika und andernorts gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft auflegen.

Mit technologischen Schaufenstern machen wir Klimaschutztechnologien „made in Germany“ zum neuen Markenzeichen Deutschlands. Im Dezember legt die Bundesregierung ihre Nationale Strategie Wasserstoff vor. Mit konkreten Maßnahmen zu Erzeugung, Versorgungsstrukturen, Nutzung sowie Forschung und Entwicklung ist sie breit aufgestellt. Morgen werde ich zusammen mit dem Wirtschafts-, Verkehrs- und Entwicklungshilfeminister eine groß angelegte Konferenz mit Stakeholdern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Fachpolitik durchführen.

Für den Erfolg des grünen Wasserstoffs brauchen wir einen Kraftakt. Deswegen sind uns die Perspektiven, Ideen und Beiträge aller Partner so wichtig. Nur gemeinsam wird es uns gelingen, dass Deutschland eine globale Führungsposition bei grünem Wasserstoff einnimmt. Es geht um Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und neue Marktchancen.

Fotos: BMBF-Webseite

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