Barockorgel Neustädter Kirche Hannover

Die Königin der Musikinstrumente

Ein neues Juwel in Hannover –

Ein neues Juwel für Niedersachsen

Im Frühjahr 2019 las ich einen Beitrag, dass die hMtMh Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ein neues Musikinstrument erhalten soll: eine Barockorgel.

Das Instrument sollte annähernd 1,3 Millionen Euro kosten und am 26. Oktober 2019 fertiggestellt und eingeweiht werden. Das empfand ich als ein sehr herausragendes Ereignis und hatte mir diesen Termin spontan in meinem persönlichen Kalender eingetragen. Das wollte ich auf keinen Fall verpassen!

Gestern war es nun soweit. Ich begab in die Stadt Hannover zur Neustädter Hof- und Stadtkirche, die, manche Leser wissen dies möglicherweise, auch eine letzte Ruhestätte der Gebeine des Hannoverschen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) ist.

Für ein Musikinstrument dieser Größenordnung sollte eine adäquate Heimstatt gefunden werden. Die Hochschule für Musik schloss nach langer Suche daher mit dieser Kirchengemeinde einen langjährigen Kooperationsvertrag zur Aufstellung und Nutzung dieses Instruments zum beiderseitigen Nutzen: Die hMtMh erhält einen neuen zusätzlichen externen Schulungsort für ihre Studenten und die Kirchengemeinde der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannes kann gleichfalls diese kostbare Barockorgel für Gottesdienste und besondere Veranstaltungen nutzen.

Kirchenschiff der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannes
Kirchenschiff der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannes

Die neue Thomas-Orgel der HMTMH

Die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover sollte eine neue Orgel bekommen, die eine adäquate, das heißt stilgerechte Wiedergabe deutscher barocker Orgelmusik, insbesondere der Werke von Johann Sebastian Bachs ermöglicht.

Professor Emmanuel Le Divellec ist Sprecher der Fachgruppe Orgel/Kirchenmusik an der Hochschule und formuliert es so: Gravität, Strahlkraft und Farbigkeit soll die Hannoversche Bach-Orgel haben, in der Interpretation des belgischen Orgelbauers Dominique Thomas (Manufacture d’Orgues Thomas).

Ganz sicher ist dieses Instrument eine Attraktion und auch ein Glanzpunkt für Niedersachsen, die manche Organistin und manchen Organisten sowie viele Studierende nach Niedersachsen ziehen wird, schreibt Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann als Präsidentin der Hochschule für Musik.

Orgel-Tastatur und Register
Orgel-Tastatur und Register

Mein Hörerlebnis

Das Einweihungskonzert wurde von Professor Emmanuel Le Divellec persönlich gestaltet und vorgetragen unter dem Motto “Einmal Bach einfach”.

Professor Emmanuel Le Divellec
Professor Emmanuel Le Divellec

Ich, der Autor dieses Beitrags, bin kein besonderer Musikkenner und beschränke mich daher hier auf die Schilderung meines eigenen Hörerlebnisses an diesem Abend, der elf verschiedene Musikstücke des Johann Sebastian Bach (1685-1750) zum Inhalt hatte.

Ich saß unten linksseits im Hauptschiff der Kirche, die Barockorgel hinter mir im Rücken auf der Empore.

Die neue Barockorgel auf der Empore
Die neue Barockorgel auf der Empore

Teils mit geschlossenen Augen ließ ich die wohltemperierten Töne auf mich einwirken, die gemeinen Orgeltöne, deren mächtige Bässe scheinbar meinen ganzen Körper bewegten, deren höchste Piccolo-Flöten-Töne gläsern durch den Raum schweben ließen. Ich hörte Fagott, Tuba und Trompete. Und einmal auch ein Glockenspiel.

Meinte ich vor Beginn des Konzerts, dass ich das Orgelspiel hinter mir von der Empore in meinem Rücken vernehmen werde, wurde ich wohl durch die besondere Akustik des Raums irregeführt. Das Innere meines Kopfes war scheinbar eine große Kuppel, in der von deren Decke die verschiedenen Töne aus unterschiedlichen Richtungen ins Zentrum des Raumes schossen. Die Töne der unterschiedlichen Orgelpfeifen erreichten mein Ohr, nachdem sie unterschiedliche Reflektionsbahnen im Kirchenraum genommen hatten, nicht gleichzeitig und mit selber Lautstärke auf meinem linken und rechten Ohr, sondern zeitlich versetzt; damit war der exakte Orgelstandort für mein Gehör nicht mehr bestimmbar, wohl aber wurden die nunmehr unterschiedlich im Raum reflektierten Schallrichtungsquellen von mir, differenziert nach Tönen, aus unterschiedlichen Richtungen kommend wahrgenommen. Die Orgel war in mir überall, es war ein echter Raumklang. Ein Erlebnis! Ich war überwältigt und ehrfürchtig berührt.

Es war hier ein echtes Meisterwerk entstanden, zu dem man alle an dessen Schaffung Beteiligten nur danken und gratulieren kann.

Blicke in die Orgel

Ich habe nach dem Konzert die Gelegenheit genutzt und einige Blicke auch in das Innenleben des Instruments nehmen können.

Während die meisten Orgelpfeifen aus unterschiedlichen Zinn-Blei-Legierungen gefertigt werden, wie ein anwesender Mitarbeiter erläuterte, gab es ebenso riesige eckige Holzpfeifen im Inneren des Instruments. Und gerade diese, für mich überraschend, simulierten auch Blechblasinstrumente.

Holzpfeifen im Innenraum des Instruments
Holzpfeifen im Innenraum des Instruments

Nicht nur an der dem Innenraum der Kirche zugewandten Sichtwand der Orgel, sondern auch im Innern befinden sich weitere unzählige Pfeifen und Luftleitungen. Die kleinste Pfeife der Orgel hat nur eine Länge von 5 Millimeter ab Kante (Labium). Die Stimmerzeugung entspricht dem Prinzip der Blockflöte. Die größte Pfeife misst 5 Meter Höhe. Insgesamt sind 2.900 Pfeifen verbaut.

Die zahlreichen Register aus der Nähe:

Weitere Einweihungskonzerte

Mit Konzerten und Orgelführungen wird die neue HMTMH Barockorgel in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis vom 26. Oktober bis zum 3. November eingeweiht.

Die Termine finden sie hier (Link)

Das NDR-Fernsehen informierte:

Gottfried Wilhelm Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz
Gottfried Wilhelm Leibniz

Wie berichtet, haben die Gebeine des Hannoverschen Universalgelehrten in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannes ihre letzte Ruhestätte erhalten.

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